Freimaurerei in der modernen Gesellschaft

Gotthold Ephraim Lessingsagt:

Die Freimaurerei ist nichts Willkürliches, nichts Entbehrliches: sondern etwas Notwendiges, das in dem Wesen des Menschen und der bürgerlichen Gesellschaft gegründet ist.

Grundsätze der Freimaurerei

Seit über 250 Jahren sind die 1723 von -Reverend James Anderson- in seinem „Constitutionsbuch“ zusammengestellten "Alten Pflichten" Richtschnur und Grundla­ge der spekulativen Freimaurerei. Der historische Wandel der Gesellschaftsstruktu­ren hat zwar dazu geführt, dass hier und da andere Schwerpunkte gesetzt worden sind; die eigentliche Grundlage ist aber unangetastet geblieben.

Was ist Freimaurerei?

Sie ist eine Gesinnungsgemeinschaft von Männern, von denen jeder durch Symbole und Rituale zur Selbstverwirklichung im Sinne einer allumfassenden Humanität gelangen will. Ihre Mitglieder haben sich verpflichtet, konfessionsneutral dem Sittengesetz zu gehorchen. Sie pflegen eine geistig bestimmte Geselligkeit.

Welche Inhalte bestimmen die Freimaurerei?

Die mit Beginn der Französischen Revolution proklamierten Menschen- und Bürger­rechte mit ihren aufrüttelnden Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und Brüder­lichkeit waren bereits mit Beginn des 18. Jahrhunderts - also zur Zeit des Spätabso­lutismus und der Frühaufklärung - in französischen Logen bekannt. Die Andersonschen "Alten Pflichten" enthalten dem Sinne nach die gleichen Forderungen als Grundelemente der spekulativen Freimaurerei.

Freiheit

Freiheit im freimaurerischen Sinn ist die Willensfreiheit, die Gesetze ethisch­moralischen Menschseins zu befolgen und durch Selbsterkenntnis zur Selbstbestim­mung in der Gestaltung eines von sittlichen Grundsätzen getragenen Lebens zu gelangen. Glaubens- und Gewissensfreiheit sind in diese dogmenfreie, sittliche Freiheit eingeschlossen. Glaubens- und Gewissensfreiheit in einem Gemeinwesen setzen Toleranz gegenüber dem Mitmenschen voraus.

Gleichheit

Die im alltäglichen Lebensablauf nur schwer durchsetzbare Gleichheit aller Men­schen findet innerhalb des Freimaurerbundes durch das "Brudersein" ihren Aus­druck. Privilegien, die sich aus Geburt, Stand oder Besitz herleiten, gelten in dieser Gesinnungsgemeinschaft nicht.
Gleichheit bezeichnet das demokratische Grundprinzip, dass alle Menschen vor dem Gesetz
Gleich sind. Die rechtliche Basis hierfür ist in Deutschland der Gleichheitsgrundsatz des
Artikel 3 Abs. 1 des Grundgesetzes. Das Gleichheitsprinzip entwickelte sich im Rahmen
der Aufklärung und ist einer der Leitmotive der Französischen Revolution von 1789
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Verfassungsrechtlichen Status erlangten diese Leitmotive mit der
US amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776. Die rechtliche Gleichstellung von
Frau und Mann wird als Gleichberechtigung bezeichnet und ist im Artikel 3 Abs. 2 im
Grundgesetz verankert.
Gleichheit bedeutet Übereinstimmung von Personen, Gegenständen oder Sachverhalten.
Gleichheit: Chancengleichheit, ethnische Herkunft, Religion, Weltanschauung, Behinderung.
Dieter Hildebrand sagte einmal:
„ohne Unterschied macht Gleichheit keinen Spaß“

Brüderlichkeit

Brüderlichkeit, Brudersein meinen enge Verbundenheit und das Bemühen um Ver­ständnis zwischen Menschen mit unterschiedlichen Charakteren, Pflichten und Neigungen.

Dieses setzt Toleranz voraus.

Toleranz

Toleranz ist aktive Verpflichtung und tätiges Engagement im Dienst freimaureri­scher Ideale.

Toleranz üben bedeutet, dem anderen ein Bruder sein zu wollen.

Toleranz fordert Achtung vor dem Menschen,

schließt die Anerkennung seiner Rechte ein

und setzt sich fort in tätiger Menschenliebe

- in der

Humanität.

In den Ordens-Statuten von 1799 heißt es in "§ 7. Der Freymäurer ist mitleidig gegen Nothdürftige; er hilft gern, jedoch nicht öffentlich und auf Gassen, damit es ein jeder sehe, sondernin der Stille, da, wo wahre Noth ist und ohne stolzes Gepränge."

Heute klingt das so: Der Freimaurerbund wirkt überall dort karitativ, wo sich Lücken im sozialen Netz zeigen. Neben materieller Unterstützung bietet der Freimaurer aktive Hilfe und persönliche Zuwendung für die geistig und seelisch Bedrängten und Bedürftigen.

Humanität ist Liebe zum Menschen um des Menschen willen.

Freimaurer sein, heißt Humanität üben, bedeutet

Menschsein.

Welche Forderungen stellt die Freimaurerei?

Höchstes Gebot für den Freimaurer ist die Erfüllung des Sittengesetzes im Sinne freimaurerischer Ideale.

Freimaurersein erfordert tätiges, unbeirrbares Streben. Dies darf sich nicht darin erschöpfen, für kurze Zeit im Tempel Freimaurer zu sein, sondern soll sich immer um die Vollendung des menschlichen Wesens bemühen.

Die Loge

Die Loge ist Heimstatt des Freimaurers. Er findet darin Geborgenheit. Sie ist für ihn der ruhende Pol im bewegten Alltag, ein Ort der Stille und des Nachdenkens. Hier öffnet sich ein Bruder gegenüber dem anderen und sucht eine persönliche Ausspra­che. Hier weiß er, daß man ihm zuhört und seine Probleme aufgreift.

Die Logengemeinschaft ist bemüht, jeden Bruder dafür zu stärken, dass er im täglichen Leben Verantwortung übernimmt, daß er sich in seinem menschlichen Umfeld für die Verwirklichung freimaurerischer Ideale einsetzt.

Er soll klar Stellung beziehen und sich vor Unverbindlichkeit hüten.

Der Logenbruder achtet auf die unvergänglichen Werte in allen Lebensbereichen.

Die Loge ist eine Übungsstätte, wo der Mensch lernen kann, Stolz, Eitelkeit und Machtstreben abzulegen und seine geringe Bedeutung in Raum und Zeit zu erkennen.

Der Freimaurer setzt:

Taten…………………………         gegen leere Worte,

Verantwortungsbereitschaft …. gegen Gleichgültigkeit,

Individualität ………..………..          gegen Vermassung,

Hilfsbereitschaft ………..…….         gegen Profitgier,

Gelassenheit ……………….....         gegen Hektik,

persönlichen Einsatz ……..…..          gegen Mitläufertum,

Toleranz ………………..…….         gegen Unduldsamkeit.

In den Freimaurerlogen wird ökologisches Bewusstsein ermuntert, gefördert und gepflegt. Der Freimaurer hat Ehrfurcht vor dem Leben. Deshalb setzt er sich dafür ein, den Lebensraum des Menschen auf der Erde zu erhalten und zu verbessern.

Die Freimaurerei bemüht sich um die Verwirklichung einer Weltbruderkette, nicht nur unter Freimaurerbrüdern, sondern zwischen allen Menschen aller Völker. Ihr wird es nie an Mut zum Brückenbauen mangeln.

Herr,

gib mir Mut zum Brückenbauen. Gib mir den Mut zum ersten Schritt.

Laß mich auf deine Brücken trauen, und wenn ich gehe, geh du mit.

Ich möchte gerne Brücken bauen, wo alle tiefe Gräben sehn.

Ich möchte hinter Zäune schauen und über hohe Mauern gehn.

Ich möchte gern dort Hände reichen, wo jemand harte Fäuste ballt.

Ich suche unablässig Zeichen des Friedens zwischen Jung und Alt.

Ich möchte nicht zum Mond gelangen, jedoch zu meines Feindes Tür.

Ich möchte keinen Streit anfangen; ob Frieden wird, das liegt an mir.

Kurt Rommel

Aufgaben der Freimaurerei im 21. Jahrhundert

Freimaurerei bildet eine weltumspannende, geistig verbundene Gemeinschaft, die den vorwiegend esoterischen Charakter vergangener Jahrhunderte aufgegeben hat.

Freimaurerei - heute - lebt n i c h t in einer abgeschlossenen - "philosophischen Provinz".

Sie tritt immer mehr aus der seinerzeit notwendigen, historisch bedingten Isolation in die gesellschaftliche Realität.

Freimaurerei lebt in einer sich immer schneller wandelnden Welt und kann sich nur in der Auseinandersetzung mit dieser Welt verwirklichen.

Im komplexen Geschehen einer pluralistischen Gesellschaft mit unlösbar erscheinenden Problemen an der Wende zum dritten Jahrtausend bedarf es der Mobilisierung aller Menschen, die guten Willens sind.

Das Selbstverständnis der Freimaurerei im 21. Jahrhundert kann nur darin liegen, sich im Rahmen der ihr gebotenen Möglichkeiten an der Gestaltung menschlichen Daseins auf der gesamten Erde zu beteiligen.

Dies schließt eine Fülle von Aufgaben ein, an die die Freimaurerei ihre Mitglieder von jeher herangeführt hat, um von ihnen Lösungen zu fordern: durch unbeirrbares Eintreten und praktischen Einsatz für Menschenwürde und Menschenrechte. Dabei öffnet sich ein weites Feld, das vom Kampf gegen Intoleranz über das Eintreten für alte und neue Kulturwerte bis zu humanitären Hilfeleistungen reicht.

                                    

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